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Gemeinsam digital: Deutschland und Österreich tauschen Best Practices aus

E-Gov Day von Advantage Austria in Berlin

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Fabasoft eGov

Erstellt am 17. April 2026

E-Gov Day Berlin 2026 - Panel

Der „E-Gov Day“ von Advantage Austria brachte am 14. April 2026 Fachleute aus Verwaltung, Politik und GovTech in der Österreichischen Botschaft in Berlin zusammen. Vertreter:innen aus Deutschland und Österreich diskutierten, wie Behörden digitale Verfahren umsetzen, Daten sinnvoll nutzen und gleichzeitig ihre technologische Unabhängigkeit sichern. 

Der Auftakt des E-Gov Day richtete den Blick auf einen zentralen Punkt: Wie gelingt es der öffentlichen Hand, ihre Verfahren vollständig zu digitalisieren? Viele Verwaltungen arbeiten heute digitaler als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig bremsen unterschiedliche Systeme, fehlende Standards und komplizierte Schnittstellen weiterhin zahlreiche Abläufe.

Christian Rupp, Sonderbotschafter best practice austria, führte durch das Programm und betonte die Bedeutung gemeinsamer europäischer Ansätze. Auch Florian Tursky, Staatssekretär a. D. und GovTech Deutschland Fellow, verwies auf die enge Zusammenarbeit zwischen Österreich und Deutschland in der digitalen Verwaltung. Beide Länder beschäftigen sich seit Jahren mit denselben Aufgabenstellungen: Wie lassen sich Verwaltungsleistungen vollständig digital anbieten? Wie entstehen sichere und souveräne Infrastrukturen? Und wie setzen Behörden neue Technologien so ein, dass sie bestehende Abläufe sinnvoll unterstützen?


Digitale Souveränität als strategische Aufgabe

Der erste Themenblock widmete sich dem Thema, wie Staaten ihre digitale Handlungsfähigkeit sichern. Vertreter:innen aus Verwaltung, Forschung und GovTech beschrieben, wie stark Behörden heute von einzelnen Softwareanbietern, Cloud-Infrastrukturen und Datenarchitekturen abhängen.

Dabei ging es weniger um einzelne Technologien als um strukturelle Fragen: Wer betreibt die gemeinsamen IT-Infrastrukturen der Verwaltung? Wo liegen die Daten? Und welche Standards sorgen dafür, dass Behörden unabhängig bleiben, auch wenn sich Anbieter oder Technologien verändern?

Einigkeit herrschte darüber, dass digitale Souveränität nur entsteht, wenn Staaten eigene Kompetenzen aufbauen und gleichzeitig mit vertrauenswürdigen Technologiepartnern zusammenarbeiten. Offene Schnittstellen, klare Standards und transparente Architekturentscheidungen spielen dabei eine zentrale Rolle.


Digitale Kompetenzen, KI und Cybersecurity

Im zweiten Themenblock stand der Arbeitsalltag in Behörden im Mittelpunkt. Viele Verwaltungen befinden sich in einer schwierigen Lage: Erfahrene Beamte gehen in den Ruhestand, gleichzeitig steigen Antragszahlen und Sicherheitsanforderungen. Der Fachkräftemangel zwingt Behörden, ihre Abläufe neu zu ordnen.

Jens Hagemann, Head of Sales eGov bei Fabasoft, griff genau das in seinem Impulsvortrag auf. Er erörterte, wie künstliche Intelligenz Behördenangestellte gezielt unterstützt. Systeme analysieren eingehende Dokumente, ordnen Inhalte Vorgängen zu und schaffen rasch Überblick über umfangreiche Akten. Sachbearbeitende gewinnen dadurch Zeit für ihre fachlichen Entscheidungen.

Ein aktuelles Beispiel liefert das Projekt „ELAK AI“. Fabasoft setzte diesen Ansatz gemeinsam mit dem Bundesrechenzentrum (BRZ) in Österreich um. Mitarbeitende können Fragen in natürlicher Sprache an Aktenbestände richten und erhalten strukturierte Antworten direkt aus den Dokumenten. Die KI hebt zentrale Passagen hervor, ordnet Inhalte und erleichtert die Auswertung umfangreicher Unterlagen. Das macht komplexe Vorgänge transparent.

Im anschließenden Panel diskutierten die Fachleute, welche digitalen Kompetenzen Behörden künftig benötigen. Ein Punkt zog sich durch die gesamte Runde: KI ersetzt keine Fachkräfte. Sie entlastet dort, wo heute viel Zeit in wiederkehrende Aufgaben fließt.


Digitale Transformation im Behördenalltag

Der dritte Themenblock verdeutlichte, wie stark sich der Arbeitsalltag in Behörden verändert. Vertreter:innen aus kommunalen IT-Dienstleistern, Bundesinstitutionen und GovTech-Unternehmen berichteten von laufenden Projekten. Viele Verwaltungen überarbeiten derzeit ihre Prozesse. Die Quintessenz: Papierbasierte Vorgänge nur zu digitalisieren, ist nicht zielführend. Erst eindeutig strukturierte Prozesse ermöglichen es, digitale Werkzeuge sinnvoll einzusetzen. Ein Beispiel: Genehmigungsverfahren laufen oft über mehrere Organisationseinheiten hinweg. Wenn Dokumente digital vorliegen und die Bearbeitungsschritte eindeutig definiert sind, können mehrere Fachbereiche an einem Vorgang arbeiten. Das spart Zeit und schafft Transparenz.


Daten als Grundlage für neue Anwendungen

Der letzte Themenblock widmete sich dem Thema, wie Behörden Daten besser nutzen können, da diese oft in isolierten Systemen liegen. Erst wenn Informationen strukturiert erfasst und über sichere Schnittstellen verfügbar sind, entstehen neue Möglichkeiten: Analysewerkzeuge helfen dann beispielsweise, Verwaltungsprozesse auszuwerten oder Engpässe zu erkennen. Auch KI-Anwendungen funktionieren nur zuverlässig, wenn sie auf konsistente Daten zugreifen.

Das Resümee: Einzelne Technologien reichen nicht aus Datenstrategie, IT-Architektur und Prozessgestaltung gehören zusammen. 


Politischer Ausblick beim Late Night Talk

Am Abend richtete sich der Blick auf die politischen Rahmenbedingungen der Verwaltungsmodernisierung. Beim Late Night Talk diskutierten Henri Schmidt, Mitglied des deutschen Bundestages, Staatssekretär Matthias Hundt, CDO Land Berlin, und Staatssekretär Ernst Bürger, IT-Beauftragter Land Brandenburg, über Fortschritte und Hürden der digitalen Transformation.
Die Gesprächspartner betonten, dass Bund, Länder und Kommunen stärker zusammenarbeiten müssen. Viele digitale Vorhaben scheitern weniger an der Technik als an komplexen Zuständigkeiten. Gemeinsame Standards und abgestimmte Strategien könnten hier deutlich schneller Wirkung zeigen.


Austausch beim Heurigen „Digitales Österreich“

Beim anschließenden Heurigen-Empfang nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, um Erfahrungen zu vertiefen, Kontakte zu knüpfen und laufende Initiativen weiter zu besprechen. Der diesjährige E-Gov Day bestätigte, dass Deutschland und Österreich im Bereich der digitalen Verwaltung vor ähnlichen Herausforderungen stehen – und davon profitieren im Zuge ihrer Zusammenarbeit Erfahrungen und Ansätze direkt miteinander zu teilen.