Cloud-Technologien und KI beschleunigen Behördenarbeit spürbar. Immer mehr Verfahren laufen parallel, Änderungen greifen schneller, Services entstehen in kürzeren Zyklen. Gleichzeitig steigt die Komplexität: Fachverfahren, Register und Online-Dienste verzahnen sich enger, während Regulierung und Sicherheitsvorgaben den Handlungsspielraum begrenzen.
Matthias Wodniok, Vorstandsmitglied bei Fabasoft, erläutert, warum Wahlfreiheit, offene Standards sowie Cloud-native-Architekturen über Agilität entscheiden – und wie Verwaltungen Kontrolle, Sicherheit und langfristige Steuerbarkeit vereinen können.
Herr Wodniok, digitale Souveränität zählt zu den meistdiskutierten Themen im E-Government. Was bedeutet sie heute konkret für Behörden?
Matthias Wodniok: Aus meiner Sicht bedeutet digitale Souveränität heute für die Verwaltungen vor allem eine selbstbewusste Steuerung ihrer IT – und damit verbunden die Flexibilität, welche Software, Plattformen oder Cloud-Services zum Einsatz kommen. Dabei geht es primär um die Entscheidungshoheit über Daten, Infrastrukturen sowie Betriebsmodelle.
Konkret zeigt sich die digitale Souveränität in offenen Standards, kontrollierter Nutzung von Cloud-Services und klarer Datenhoheit. Offene Standards und Standardformate sind dabei kein Selbstzweck, sondern ein wichtiges Mittel, um Transparenz, Interoperabilität und langfristige Steuerbarkeit sicherzustellen.
Ganz wesentlich ist hierbei auch, dass Verwaltungen die nötigen Kompetenzen, Governance-Strukturen und Wahlmöglichkeiten haben, um unter sich ändernden rechtlichen, wirtschaftlichen oder geopolitischen Bedingungen einsatzfähig zu bleiben.
Welche Gedanken zum Thema digitale Souveränität begegnen Ihnen in Gesprächen mit Behörden am häufigsten?
In unseren Gesprächen mit der Verwaltung rücken die Nutzung von Cloud-nativen Systemen und die Diskussion über Betriebsmodelle immer mehr in den Mittelpunkt. Die öffentliche Hand beschäftigt sich immer intensiver mit der Modernisierung ihrer IT-Landschaft, um den Herausforderungen der heutigen Zeit – denken Sie dabei nur an das Thema Sicherheit – gerecht zu werden. Wir sehen viele Vorhaben, bei denen sich die Behörden intensiv damit auseinandersetzen, wie moderne Architekturen Einsatz finden können und dabei Informationshoheit und Datenschutz erhalten bleiben.
Gleichzeitig richten Verantwortliche den Blick nach vorne. Sie bewerten, ob heutige Technologieentscheidungen auch in fünf oder zehn Jahren noch ihre Richtigkeit haben, wenn sich z. B. rechtliche Vorgaben oder organisatorische Strukturen verändern. Öffentliche Organisationen diskutieren dabei bewusst die möglichen Abhängigkeiten und welche Ausweichoptionen bestehen.
Was brauchen Verwaltungen aus Ihrer Sicht, um langfristig agil zu bleiben?
Die öffentliche Hand benötigt eindeutige technische, aber auch praktische Leitlinien. Offene Standards, modulare Architekturen sowie flexible Betriebsmodelle bilden dafür die Basis. Systeme müssen sich den fachlichen und organisatorischen Anforderungen anpassen, ohne Abläufe auszubremsen. Parallel entsteht in den Behörden eigene Kompetenz, um technische Entscheidungen einzuordnen und zu steuern.
Nachhaltige Handlungsfähigkeit entsteht dann, wenn Organisationseinheiten ihre fachlichen Ziele eindeutig festlegen, die IT dafür die Technik als auch den Betrieb definiert und die Institution klare Entscheidungen trifft und verbindliche Rahmenbedingungen setzt. Erst dieses Zusammenspiel sorgt für vertrauenswürdige Abläufe und schafft einen Raum für gezielte Weiterentwicklung. Selbstbestimmung muss sich auf allen Ebenen widerspiegeln – von der Infrastruktur über den Betrieb bis zur Anwendung. Wer diese Parameter erfüllt, bleibt nachhaltig einsatzfähig.
Im vergangenen Jahr hat Fabasoft das digitale Ökosystem – die Fabasphere präsentiert. Wie hängt das zusammen?
Die Fabasphere ist das digitale Ökosystem für Akten- und Prozessmanagement. Sie vereint einen leistungsstarken AI Core mit Cloud-nativen Software Solutions. Smarte Workflows, KI-gestützte Automatisierung und nahtlose Integrationen sorgen für klare Strukturen und reibungslose Zusammenarbeit. Behörden nutzen die Solutions der Fabasphere für intelligente Akten, prozessgestützte Verwaltungsarbeit sowie ressortübergreifende Zusammenarbeit. Sie eignen sich für Fachverfahren, Online-Services, Integrationen bestehender Anwendungen sowie für die Anpassung eigener Erweiterungen über definierte Konfigurationsmöglichkeiten. Dank zahlreicher Integrationen und Schnittstellen fügt sich die Fabasphere problemlos in bestehende IT-Landschaften ein. Unterschiedliche Betriebsmodelle sorgen für Wahlmöglichkeit und maximale Flexibilität. So wählen Organisationen zwischen Public, Private, Government oder Hyperscaler Cloud.
Wie wirkt sich die Fabasphere auf den Arbeitsalltag in Behörden aus?
Durch die Nutzung der Fabasphere lässt sich die Komplexität reduzieren und zugleich die Gestaltungsfreiheit erhöhen. Verwaltungen arbeiten stets mit den aktuellsten Softwareständen, erhalten kontinuierlich neue Funktionen und passen Prozesse eigenständig mittels Low-Code-/No-Code-Ansatz an.
KI unterstützt bei der Recherche und Automatisierung. Die Mitarbeitenden steuern jeden Schritt und behalten jederzeit die volle Kontrolle über Daten und Ergebnisse.
Sie erwähnten Cloud-native-Technologien, warum gewinnen sie im E-Government zunehmend an Bedeutung?
Cloud-native-Architekturen entkoppeln Anwendungen von der zugrunde liegenden Infrastruktur und schaffen dadurch hohe Flexibilität. Verwaltungen betreiben Fachverfahren dort, wo es fachlich und organisatorisch passt, und behalten ihre Steuerungsfähigkeit.
Im E-Government vereinfacht dieser Ansatz Updates, Wartung und Skalierung. Fabasoft spielt sicherheitsrelevante Aktualisierungen zeitnah ein und reagiert schneller auf neue Bedrohungslagen. Kleine, kontinuierliche Anpassungen ersetzen umfangreiche Umstellungsprojekte. Systeme bleiben stabil, erhöhen die Sicherheit und passen sich laufenden Anforderungen an.
Viele Behörden sehen klassische Cloud-Ansätze kritisch. Fabasoft bietet mit der Government Cloud ein eigenes Betriebsmodell für den öffentlichen Sektor. Wodurch unterscheidet sich dieses Modell von anderen Varianten?
Uns ist bewusst, dass Verwaltungen spezielle Anforderungen erfüllen müssen und deswegen haben wir für die Fabasphere ein maßgeschneidertes Betriebsmodell entwickelt – die Government Cloud. Sie berücksichtigt spezifische regulatorische Vorgaben, etwa im Bereich Datenschutz, Nachvollziehbarkeit und Sicherheitszertifizierungen.
Gleichzeitig bietet die Government Cloud moderne Funktionen: revisionssichere Dokumentenverwaltung, transparente Prozessautomatisierung und KI-Anwendungen, die den Alltag effizienter machen. Cloud-native-Technologie sowie offene Standards erlauben flexible Integration in bestehende IT-Landschaften und fördern Portabilität, Interoperabilität sowie Wahlfreiheit. Öffentliche Verwaltungen können die Government Cloud als zentralen Ankerpunkt für ihre Multi-Cloud-Strategie nutzen und erhalten dadurch Stabilität, Agilität sowie digitale Souveränität in einem System.
Fabasoft liefert alle Komponenten aus einer Hand: Software, Support und Betrieb. So nutzen Behörden ein sicheres, souveränes Betriebsmodell, das Innovation und Compliance vereint.
Sie führten aus, dass die Government Cloud ein zentraler Baustein der Multi-Cloud-Strategie ist. Wieso setzen Verwaltungen zunehmend auf diese Variante?
Multi-Cloud-Strategien verteilen technische und organisatorische Risiken. Organisationen kombinieren unterschiedliche Betriebsmodelle und erreichen dadurch mehr Flexibilität.
Wir sehen uns als idealen Partner für Behörden in der Umsetzung ihrer Multi-Cloud-Strategie. Die Fabasphere erlaubt es, flexibel zwischen Private, Government oder Hyperscaler Cloud zu wechseln, ohne komplexe Datenmigrationen. So unterstützt Fabasoft die öffentliche Verwaltung aktiv dabei, ihre IT effizient, sicher und nachhaltig handlungsfähig zu gestalten.
Wo stärkt die Fabasoft eGov-Suite die Eigenständigkeit von Behörden im Alltag?
Die Fabasoft eGov-Suite entfaltet ihre volle Stärke überall dort, wo Fachbereiche regelmäßig ihre Prozesse anpassen. Teams gestalten Abläufe selbst, reagieren direkt auf neue Anforderungen und binden weitere Systeme über offene Schnittstellen ein.
KI-gestützte Akten unterstützen bei der Recherche, der Einordnung und der Auswertung. Automatisierungen entlasten die Angestellten, beschleunigen die Abläufe, erweitern den Handlungsspielraum im Tagesgeschäft – und verbessern den Bürgerservice.
Wie sichern Behörden digitale Souveränität langfristig und welche Schritte zählen jetzt?
Die öffentliche Hand sichert digitale Souveränität, indem sie Entscheidungen über Daten, Betrieb und Technologien selbst trifft. Sie setzt eigene technische Leitplanken, wählt Software bewusst aus und legt Speicher- sowie Betriebsmodelle fest. Klare Governance regelt Zuständigkeiten, Zugriffe, Sicherheitsvorgaben und Kontrollmechanismen eindeutig. Wartbare Architekturen und gezielter Kompetenzaufbau halten die IT steuerbar. Fabasoft begleitet als verlässlicher europäischer Partner insbesondere öffentliche Verwaltungen auf diesem Weg.
Dieses Interview ist auch hier erschienen: eGovernment


