Schon die Jüngsten zu Mitwissern machen

12. Juni 2018

Schluss mit dem Nerd-Image rund um Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik: MINT-Fächer sollten Mädchen wie Buben so früh wie möglich Spaß machen! Ansonsten wird der Fachkräfte-Mangel im IT-Sektor kaum in den Griff zu bekommen sein.

Der Philosoph Richard D. Precht prognostiziert ein paar harte kommende Jahre der Umstellung, auf die eine Befreiung des Menschen von „entfremdeter Arbeit“ folgen könnte. Letzteres soll heißen: Abgesichert durch ein bedingungsloses Grundeinkommen ist ein fremdbestimmtes Beschäftigungsverhältnis nicht mehr zwingend nötig. Stattdessen werden zeitliche Ressourcen frei, um sich auf die Suche nach seiner persönlichen Bestimmung zu begeben. Man lebt schließlich - und vermutlich - nur einmal.

Bis es jemals soweit sein sollte, muss sich unser Bildungssystem rasch auf die vielen Herausforderungen einstellen, welche uns die digitale Revolution beschert. Das heißt vor allem, MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) von ihrem staubigen Nerd-Image zu befreien und schon die Allerjüngsten zu Mitwissern machen - Mädchen wie Buben.

Der aktuelle Fachkräftemangel in der IT-Branche zeugt davon, dass brachliegende junge Talente entdeckt werden müssen, um unser aller Zukunft zu sichern. Vorzeigeinitiativen wie der Verein Talente OÖ fördern Kinder mit Bedacht: Lernen soll Spaß machen, die Persönlichkeit entfalten. Dazu gehört auch die allgemeine Einsicht, dass der Lehrkörper nicht unser natürlicher Feind ist, sondern motiviert und für Extra-Leistungen bezahlt gehört; etwa für Workshops, die am Wochenende oder während der Ferien an Schulen und Universitäten stattfinden. Exzellenzförderung heißt, die Breite auf die Spitze zu treiben. Die Entdeckung talentierter Kinder braucht Fingerspitzengefühl, Empathie und Geduld.

Die aktuelle Regierung plant einen Talente-Check in der dritten Klasse Volksschule. Das ist erfreulich und dürfte meiner Meinung nach noch weiter vorne angesetzt werden. Je früher gefördert wird, desto besser entwickelt sich die Intelligenz, die uns, entgegen der landläufigen Meinung, nicht einfach in die Wiege gelegt wird. Und besonders wichtig: Die Förderung von Begabungen darf weder vom sozioökonomischen Status noch vom Geschlecht abhängig sein. Jeder kann fördern, jeder kann lernen. Wir sprechen nicht von einer elitären Rahmschicht, sondern dem Potenzial, das in jedem steckt.