Informatikstudium: Durchhaltevermögen und schulische Vorbildung korrelieren

5. Juli 2018

Eine aktuelle Absolventen-Analyse zeigt, dass die Informatikausbildung in Österreich den wirtschaftlichen Bedürfnissen nachhinkt. Höchste Zeit für eine Revolution des Bildungssystems.

Status Quo des Informatikstudiums

Obwohl unsere Universitäten aus allen Nähten platzen, sieht es in Österreich bezüglich Informatik-Nachwuchs momentan traurig aus. Der Grazer Statistiker Harald Lothaller untersuchte die Absolventen-Situation der Studienrichtung Informatik an der TU Graz, TU Wien, Uni Linz und Uni Wien. Ein recht einheitliches Bild zeichnet sich ab: Der hiesige Informatik-Student ist meist männlich, österreichischer Staatsbürger, zu Studienbeginn bereits circa 23 Jahre alt und hat davor eine HTL oder eventuell ein Realgymnasium absolviert. Außerdem studiert er am liebsten in seinem Heimatbundesland. Über die Semester hinweg entwickelt diese ohnehin recht homogene Gruppe noch weniger Unterschiede. Sprich: Personengruppen, die von der Mehrheit abweichen, brechen eher ab.

Um diese Tendenz zu brechen, müssen unsere Informatik-Ausbildungen flexibler werden. Die Erfolgsformel besteht in der Verknüpfung des Informatikstudiums mit anderen Fächern, etwa Wirtschaft, Technik und Naturwissenschaften. Prinzipiell muss Informatik Basisstoff jeder Studienrichtung sein, denn ohne dementsprechendes Grundwissen wird in der digitalen Zukunft keine Berufsgruppe mehr auskommen.

Der Sinn von manchen Studienzugangsbeschränkungen an Österreichs Universitäten ist zu hinterfragen, solange der Zulauf bestimmter Studien derart gering ist. Eingangstests halten manche Interessierte davon ab, ihr Können in der IT zu beweisen. Und von denen, die das Studium beginnen, schließt nur ein Bruchteil ab. Teils, weil sie vorzeitig von Betrieben abgeworben werden, aber auch, weil der Betreuungsschlüssel an Österreichs Universitäten viel zu schwach ist.

Verstärkte Zusammenarbeit zwischen Schulen und Hochschulen

Die hiesigen Informatikstudien weisen hohe Drop-out-Quoten auf - unter den aktuellen Studienbedingungen schaffen es also viele Studierende nicht bis zu einem Abschluss. Und diese Studienabbrüche weisen einen systematischen Zusammenhang mit der schulischen Vorbildung auf. Die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Hochschulen muss daher meiner Meinung nach verstärkt werden. Ähnlich wie die hiesigen HAK-Kollegs könnte eine Vorbereitungsphase zwischen Gymnasium und Informatikstudium eine gute Lösung sein. Damit werden AHS-Schüler auf das technische Niveau von HTL-Absolventen gebracht, und die Wahrscheinlichkeit verkleinert sich, dass diese Studenten auf der Hochschule zu früh an ihre Frustrationsgrenze stoßen und das Handtuch werfen.

Ideen wie diese mögen auf den ersten Blick weit hergeholt wirken. Aber wenn wir Österreich erfolgreich in eine digitale Zukunft führen wollen, muss intensiv und „outside the box“ nachgedacht werden - die wirtschaftliche Realität hat das schwerfällige Bildungssystem bereits längst überholt.