Industriewissen ist der Schlüssel zu europäischem Cloud-Markt

16. Juni 2014

Mit der Veröffentlichung der Cloud-Strategie „Freisetzung des Potenzials von Cloud Computing in Europa“ hat sich die Europäische Kommission im September 2012 zum Ziel gesetzt, die europaweite Annahme dieses innovativen IKT-Modells durch die Wirtschaft zu beschleunigen. Zur Umsetzung wurden drei Kernaktivitäten formuliert: Die Durchforstung des unübersichtlichen Dschungels an Standards, die Entwicklung eines Modells für sichere und faire Vertragsbedingungen und die Etablierung einer Europäischen Cloud-Partnerschaft, um Innovation und Wachstum insbesondere im öffentlichen Sektor anzukurbeln.

Konkrete Umsetzung in verschiedenen Expertengremien

Mit der Evaluierung existierender technologischer Cloud-Standards wurde von der Kommission folgerichtig ETSI beauftragt. Das „European Telecommunications Standards Institute“ verfügt durch jahrzehntelange Spezifizierungsarbeit in unterschiedlichen Domänen des Industriesektors über das erforderliche Know-how, um die technologischen Besonderheiten für die Gestaltung von funktionierenden Cloud-Infrastrukturen kritisch zu prüfen, vorherrschende Trends zu erkennen und letztlich die Standards zu klassifizieren. Zu diesem Zweck wurde von ETSI mit „Clouds Standards Coordination“ eine eigene Arbeitsgruppe geschaffen, die im Dezember 2013 der Kommission ihren Endbericht vorgelegt hat.

Für die Schaffung einer European Cloud Partnership wurde im November 2012 ein Steering Board ins Leben gerufen, dem der estnische Präsident Toomas Henrik Ilves vorsteht und dem heute weitere 19 Repräsentanten von privaten und öffentlichen Organisationen angehören. Die Anstrengungen im Bereich dieses Schwerpunktes mündeten im November 2013 in Berlin in die Gründung der „Cloud for Europe Initiative“. Diese wird mit der Entwicklung und dem Test von Beschaffungserfordernissen für eine vorkommerzielle Beschaffung von Cloud-Technologien und -Services durch die öffentliche Hand in Kürze einen ersten wichtigen Meilenstein setzen.

Sichere und faire Vertragsbedingungen

Die Integration von bestehendem Industriewissen bei der Umsetzung der Europäischen Cloud- Strategie ist generell wichtig, im Bereich der Gestaltung sicherer und fairer und vor allem einheitlicher Vertragsbedingungen jedoch unverzichtbar. An ihnen entscheidet sich mehr noch als an verfügbaren State-of-the-art-Technologien, mit denen Netze, Applikationen und Dienste für Cloud Computing zu einer Gesamtinfrastruktur verwoben werden, die Kundenakzeptanz des ökonomischen IKT-Zukunftsmodells. Sie liefern die Grundlage für Kundenvertrauen, welches ganz besonders im Cloud Computing, der Auslagerung von IT-Unternehmensressourcen an externe Service-Provider, und vor dem Hintergrund der internationalen Diskussionen um Datensicherheit zum Erfolgsfaktor Nummer eins geworden ist.

Thematisch spannt sich dieses Problemfeld um viele Fragen wie etwa die Datenerhaltung nach Beendigung eines Vertrages oder um die erforderlichen Datenoffenlegungen nach unternehmerischen Disclosure-Auflagen. Weiters geht es natürlich auch um Datenintegrität, um Datenlokation und um Sicherungsmechanismen während des Datentransports. Letztlich dreht sich alles um die Eigentümerschaft an Daten und um die Teilung von Verantwortlichkeiten zwischen Cloud-Anbietern und Cloud-Anwendern.

Als erfahrener IT-Konzern mit einer langen Tradition in der Erbringung von „Software as a Service“ (SaaS) und in weiterer Folge von Cloud-Dienstleistungen und als vehementer, öffentlicher Befürworter von „United Clouds of Europe“ hat Fabasoft sein gesamtes Expertenwissen in die mit der Umsetzung dieses Strategieschwerpunktes beauftragte „Cloud-Select Industry Group (C-SIG)“ eingebracht.

Innerhalb von nur zwei Monaten hat die C-SIG zwischen Februar und April 2013 drei Untergruppen auf die Beine gestellt, die den drängendsten Fragen im Zusammenhang mit fairen Vertragsbedingungen nachgehen: Der Konzeption von Service-Level-Agreements (SLA), der Beschaffenheit von Certification Schemes und der Schaffung eines Code of Conduct für Datenschutzregeln. Zusätzlich beschäftigt sich eine eigene Cloud Expert Group im Rahmen dieses Gremiums mit der Kanalisierung von europaweiten Forschungsansätzen in Richtung „Zukunft von Cloud Computing“ in Europa.

Die Europäische Cloud kommt in Fahrt

Als Unternehmen der Cloud-Industrie sind wir für den Erfahrungsaustausch und die fokussierte Herangehensweise an erfolgsversprechende Lösungsansätze gemeinsam mit rund 50 anderen Lieferanten in der C-SIG sehr dankbar. Erste konkrete Ergebnisse sind bereits sichtbar. So hat die Untergruppe für den „Code of Conduct“ bereits einen ersten Entwurf für einen solchen Verhaltenskodex erstellt und diese gemeinsamen Festlegungen der beteiligten Cloud Industrie-Stakeholder der „Article 29 Working Party“ ¬– einem Beratungsorgan für Datenschutz, in dem neben anderen auch die Repräsentanten der nationalen Datenschutzbehörden vertreten sind – für ein Feedback vorgelegt. Die Untergruppe für „Certification“ hat die bestehenden Verfahren gemappt und analysiert sowie den Entwurf eines Glossars der Definitionen und Bedingungen für ein Service-Level- Agreement erstellt. Und die Service-Level-Agreement-Untergruppe selbst hat 11 Attribute für Standard-Optionen in SLA und Verträgen erarbeitet. Handfeste Ergebnisse aus allen Gruppen sollen bis zum heurigen Sommer vorliegen. Mit diesen konzertierten Anstrengungen der europäischen Industrie und der zügigen und ergebnisorientierten Arbeit in der C-SIG bin ich mir sicher, dass die ambitionierten Ziele der Europäischen Kommission zur Verwirklichung eines Binnenmarktes für Cloud Computing schon in Kürze Realität werden könnten.

Fabasoft gestaltet europäische Cloud-Landschaft proaktiv mit

Als Fabasoft sind wir natürlich stolz über die Teilnahme an den Beratungen und Umsetzungen in der C-SIG, die wir unserem konsequenten öffentlichen Eintreten für eine Europäische Cloud verdanken. Dadurch können wir die Rahmenbedingungen für eine Europäische Cloud aktiv mitgestalten und mit vielen unserer Auffassungen für einen großen Cloud-Markt in Europa wie etwa verbesserter Interoperabilität, größtmöglicher Sicherheit und weitreichendem Schutz der Privatsphäre auch andere Stakeholder überzeugen. Daneben gibt uns dieses Engagement im Cloud-Konzert der europäischen Entscheidungsträger und Anbieter die Möglichkeit, unser Business für den sich sukzessive etablierenden europäischen Cloud-Markt weiter zu entwickeln und unseren Bekanntheitsgrad als mittelständisches Unternehmen in der gesamteuropäischen Anbieterlandschaft zu erhöhen.

Helmut Fallmann
Mitglied des Vorstandes

Vor fast drei Jahrzehnten gründete Helmut Fallmann gemeinsam mit Leopold Bauernfeind die Unternehmensgruppe Fabasoft. Heute ist er Mitglied des Vorstandes der Fabasoft AG. Fabasoft hat sich zu einem führenden europäischen Softwareprodukthersteller und Cloud-Dienstleister mit Sitz in Linz, Österreich, entwickelt.

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