Geldregen aus der Wolke

21. Mai 2014

Seriöse Prognosen sagen Cloud Computing in den kommenden Jahren eine starke Entwicklung voraus: Umsätze in Milliardenhöhe samt den entsprechenden makroökonomischen Effekten für BIP und Arbeitsplätze. Doch Entscheidungsträger wie CIOs interessiert bei der Bereitstellung zukunftssicherer IT-Dienste für die flexible Ausrichtung der Unternehmensprozesse vor allem die Wirtschaftlichkeit von Cloud-Diensten.

Ökonomisch führt für Unternehmen, insbesondere für viele mittelständische Betriebe, über kurz oder lang kein Weg mehr an Cloud Computing vorbei. Doch der Umstieg erfordert von verantwortungsbewussten IT-Managern im Vorfeld einen gründlichen „IT-Efficiency-Check“ zum Status Quo der eingesetzten IT. Eine solche Analyse liefert die Antworten, welche IT-Dienste in Abhängigkeit von Geschäftsprozessen und Datensensibilität in die Wolke ausgelagert werden können und gibt Entscheidungshilfen für die Wahl des bestgeeigneten technischen Bezugsmodells.

Wirtschaftlichkeit bestimmt die Wahl des Cloud-Partners

Beim vorherrschenden Kostendruck in der IT geht es bei der wirtschaftlichen Bewertung von Cloud Computing zunächst um die exakte Erhebung der Kostenvorteile gegenüber traditioneller Vorhaltung von IT-Ressourcen im Unternehmen. Mit dem Rechenmodell „Total Cost of Ownership“ (TCO) lässt sich das direkte und indirekte Kostengefüge von IT für die beiden unterschiedlichen Modelle über den Gesamtlebenszyklus der in Frage kommenden IT-Komponenten gut ermitteln. Dies allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der eigene IT-Bedarf über die Nutzungsjahre relativ genau hochgerechnet wird.

Wenn sich ökonomische Vorteile nicht monetär quantifizieren lassen, können potenzielle neue Cloud-Nutzer zusammen mit Experten von Anbietern wie Fabasoft Szenario-Techniken zur Simulation künftiger Kosten-/Nutzen-Relationen einsetzen und anschließend erweiterte Nutzwertanalysen durchführen, in denen auch weiche Faktoren mitberücksichtigt werden.

Cloud Value is not only about cost

Sowohl die monetär messbaren als auch die immateriellen (intangiblen) Nutzenbeiträge machen sich oft erst Jahre später bemerkbar. Sie sind jedoch für die Bestimmung des wirtschaftlich passenden Cloud-Angebots unverzichtbar. Der Wert von Cloud Computing bestimmt sich nicht nur über die Kostenreduktion, sondern auch über erhöhte Geschäftsagilität, verbesserte Marktflexibilität und mögliche Risikominimierung. Zu diesen Faktoren gehören unter anderem operative Beweglichkeit, effiziente Prozessgestaltung, Flexibilisierung des Personaleinsatzes, ein feingetuntes Akkordieren der IT mit der unternehmensstrategischen Ausrichtung sowie die Nutzung frei werdender Personalkapazitäten zur Konzentration auf das Kerngeschäft.

Fallen beim Risiko-Outsourcing beachten

Gleichzeitig muss die erweiterte Nutzwertbetrachtung die Abhängigkeitsrisiken, z.B. eines „Lock-in“, und die immanenten Gefahren in Bezug auf Datensensivität, Kontrollverlust und Unternehmensprozesse sowie Compliance-Regeln und die Erhaltung der IT-Handlungsfähigkeit im Worst Case in die Analyse miteinbeziehen.

Investitionen werden zu Betriebskosten

Im Lichte all dieser strengen Proofs für die Wirtschaftlichkeit von Cloud Computing werden Unternehmen rasch erkennen, dass es den bisherigen IT-Modellen ökonomisch überlegen ist. Auf der reinen Kostenseite liegt der Vorteil von Cloud Computing primär im Wegfall teurer Investitionen in eigene Hard- und Software. Dadurch werden auf Kundenseite Kapitalkosten (CAPEX) in operative Kosten (OPEX) transformiert. Beim Mietmodell Cloud Computing wird somit eine lange Kapitalbindung vermieden, und die Nutzer profitieren zusätzlich von Kostenvorteilen durch Skaleneffekte („Economies of scale“ bei Kaufkraft, Arbeitskosten für Infrastruktur, Sicherheit und Verlässlichkeit, Energiekosten) und den hohen Automatisierungsgrad in den Rechenzentren der Cloud-Provider, was die IT-Aufwendungen zusätzlich senkt. Im Cloud-Business tragen die Anbieter im Interesse der Erhaltung ihrer Wettbewerbsfähigkeit nicht nur das gesamte technologische Investitionsrisiko für den Aufbau zukunftsorientierter Infrastrukturen, sie übernehmen mit ihrem Bereitstellungsmodell auch hochgradige Verantwortung für Betrieb und Wartung von IT-Ressourcen bei ihren Kunden, wodurch sich bei Personalkosten sparen lässt oder aber Manpower für mehr Effizienz frei wird.

Besserer Auslastungsgrad und elastische Skalierung der Ressourcen

Durch den hohen Virtualisierungsgrad der Rechenzentrumskapazitäten und durch die Mandantenfähigkeit der Anbietersysteme können die Cloud-Provider auf Lastspitzen bei ihren Kunden flexibel reagieren. Für die Cloud-Anwender entfällt damit die Notwendigkeit, Überkapazitäten für Ausnahmefälle oder saisonale Schwankungen permanent bereithalten zu müssen. Gerade bei schwer kalkulierbarem Nutzungsverhalten ist dies ein enormer Produktivitätsgewinn. Diese bedarfsadäquate Ressourcenzuteilung überwindet die sonst vielfach mangelnde Auslastung von Servern, die oft unwirtschaftlich bei nur 20 Prozent ihrer vollen Leistungsfähigkeit liegt. Im Grunde gilt folgende Gleichung: Nicht die Kosten alleine machen Cloud Computing günstiger, sondern die Synchronsierung von Nutzungsprofilen mit dem Ressourcenverbrauch.

Abrechnung nach tatsächlicher Nutzung

Wirtschaftlich besonders relevant an Cloud Computing sind die Abrechnungsmodelle, die in der überwiegenden Mehrheit auf „Pay-per-Use Basis“ konzipiert sind. Die bestimmenden Kostenfaktoren sind die übertragene Datenmenge und die Menge der zu speichernden Daten. Der Auslastungsgrad der Rechnerkapazität, der in der traditionellen IT eine schwergewichtige Kostenfalle darstellt, kann bei Cloud Computing jedoch vernachlässigt werden.

Obwohl überall propagiert wird, dass bei Cloud Computing nur für die tatsächlich konsumierten Ressourcen bezahlt werden, ist bei der Betreiberauswahl Vorsicht geboten. Viele Modelle operieren mit einer Pauschalgebühr und zusätzlich mit nicht linearen sensitiven Preismodellen, die sich bei Schwankungen in der Nutzungsintensität dann sehr wohl kostenmäßig auswirken. Auch die Zahl der Cloud-User in einem Unternehmen spielt eine Rolle, und günstige Zeiteinheiten für die Servernutzung verschleiern nicht selten die tatsächlichen Kosten, die bei einer Dauernutzung in vielen Anwendungsfeldern entstehen können.

Bei hybriden Cloud-Modellen und der damit verbundenen Teilung von Zuständigkeiten ist weiters darauf zu achten, dass oft ein Rest an Betriebskosten für Security, Backup, Recovery und Monitoring erhalten bleiben kann. Außerdem können auch durch Inanspruchnahme zusätzlicher virtueller Server, durch Load-Balancing, Spamfiltering, Middleware-Installationen und den Betrieb von Datenbanken Extrakosten entstehen. Damit die Cloud-Rechnung voll aufgeht, empfiehlt es sich schon bei der Betreiberselektion auf höchste Transparenz der Billingmodelle der Anbieter zu achten.

Erhöhte Sicherheit in der Cloud

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil von Cloud Computing ist auch die verbesserte Security. Dies zeigt sich im professionellen Patch-Management, wodurch Cloud-Nutzer immer auf die neuesten Softwareversionen zurückgreifen können. Und in Bezug auf die Hardware können die Kunden bei Cloud Computing auf den Einsatz letztverfügbarer Technologien vertrauen.

Die sichere Datenadministration in der Cloud, die Einrichtung kurzer, besonders gesicherter Übertragungswege, etwa auf eigenen Glasfaserverbindungen außerhalb des öffentlichen Internets, überdurchschnittliche Datenschutzstandards, die Erfüllung höchster Kompatiblitätsnormen für die Integration von multiplen Cloud-Services mit allenfalls eigenen Ressourcen, das Commoditing bei stark genutzten Diensten sowie die Exit-Regelungen in Bezug auf Datenhoheit und -rückgabe im Falle von Anbieterwechsel müssen bei Abschluss von Verträgen interpretationsfrei aufgesetzt werden, damit Cloud Computing auch diese letzte große Barriere zur massenhaften B2B-Nutzung überwinden kann. Viele Nutzer wünschen sich hier auch eine Community-Cloud, bei der sie die Gewissheit haben, dass ihre sensiblen Daten in lokalen, bestens gesicherten Datenbunkern lagern und für den webseitigen Zugang bereitgehalten werden.

Cloud Computing rechnet sich

Erst vor dem Hintergrund einer immer umfassenderen Vernetzung der Wirtschaft, der allgegenwärtigen Interaktivität zwischen Unternehmen in der digitalen Welt und der zunehmenden Mobilität von Personen, Inhalten und Daten erschließt sich die volle Wirtschaftlichkeit des Modells! Der gezielte Einsatz von Cloud Computing gibt den Unternehmen ein Instrumentarium in die Hand, mit dem sie Unternehmenserfolge messen können: Das betrifft sowohl die Erreichung operativer Ziele und die Überprüfung der Kosteneffizienz als auch die Optimierung und Innovation von Geschäftsmodellen, mit denen neue Marktchancen erschlossen werden können. Durch die Beschleunigung aller Abläufe können Kundenerwartungen insgesamt besser adressiert werden. Dazu müssen allerdings parallel zum Paradigmenwechsel auf Cloud Computing auch die organisatorischen Strukturen und Abläufe sowie die gesamte Unternehmenskultur auf den IT-Bezug aus der Wolke adaptiert werden.

Der nächste Schritt zu noch größerer Wirtschaftlichkeit

Die weitere Reise im Cloud Computing verläuft sicher vom serviceorientierten zum datenbasierten Geschäftsmodell. Die Innovationen im Bereich Big Data-Analyse, die insbesondere durch die Integration von massenhaft neuen Daten aus dem Internet der Dinge (z.B. von Sensoren in Gridanwendungen) und durch Social Media getrieben werden, werden die heutigen Business Intelligence Anwendungen über kurz oder lang in „Datability“-Konzepte überführen. Dies war übrigens auch das Motto der heurigen CeBIT. Cloud-basierte Umgebungen werden als unverzichtbares technologisches Rückgrat der heutigen IT-Landschaft die Etablierung von prädiktiven Analyseverfahren für große unstrukturierte Datenmengen aus verschiedenen Datenquellen (z.B. Geo, Context, Web, M2M etc.) nachhaltig stimulieren. Damit werden wohl neue, ökonomisch hoch interessante Wertschöpfungsketten im Daten-Business geschaffen werden. Cloud Computing is all about economic viability!