Dreiteilige Serie: Wie Europa die Digitalisierung stemmt – 3

23. August 2017

Teil 3 der dreiteiligen Serie:
Digital Roadmap Austria - Österreich rüstet sich für die Digitalisierung

Wie Österreich mit der „Digital Roadmap Austria“ die Digitalisierung des Landes schaffen will. Und: Oberösterreich soll ein digitaler Frontrunner werden.

In ihren zwölf entwickelten Leitprinzipien bewegt sich Österreich vorbildlich im Rahmen des europaweiten Werteverständnisses.

  • Jeder muss an der Digitalisierung teilhaben können.
  • Kein Kind soll ohne digitale Bildung das Schulsystem verlassen.
  • Grund- und Menschenrechte gelten auch in der digitalen Welt.
  • Eine gut ausgebaute und leistbare digitale Infrastruktur ist Voraussetzung für den Zugang aller zum Internet.
  • Digitalisierung soll für bessere Arbeitsplätze mit höherer Qualifizierung sorgen.
  • Österreich wird Rahmenbedingungen für neue Geschäfts- und Arbeitsmodelle schaffen.
  • Österreich unterstützt zur Steigerung der Standortqualität Unternehmen bei der digitalen Transformation.
  • Österreich stärkt Wissenschaft und Forschung, damit das Land zu den Innovations-Leadern aufsteigen kann.
  • Österreich gestaltet den digitalen europäischen Binnenraum aktiv mit.
  • Österreich zielt auf hohe Sicherheit im digitalen Raum und setzt auf beste Datenschutzstandards.
  • Österreich stellt eine respektvolle Diskussionskultur im Netz sicher.
  • Die öffentliche Hand fungiert als Innovationsmotor und ermöglicht Bürgern und Unternehmen eine komfortable, einfache und barrierefreie Kommunikation mit der Verwaltung.

Technologisch zielt die „Digital Roadmap“ auf Forschungs- und Entwicklungserfolge und die anschließende marktnahe Umsetzung von Service- und Produktinnovationen der herstellenden Industrie bei allen relevanten digitalen Zukunftstrends. Dazu zählen etwa 5G, Internet der Dinge, Big Data, Künstliche Intelligenz (KI), Open Knowledge, erweiterte und virtuelle Realität, 3D-Druck, intelligente Materialien (4D), intelligente Energienetze (Smart Grids) und Blockchain-Technologie.

Dazu werden die wesentlichen Strategien und Leitlinien der bisher verabschiedeten Einzelinitiativen, unter anderem „Digitale Bildung“, „Breitbandstrategie 2020“ und „FTI-Strategie des Bundes“, konsolidiert zusammengeführt.

Mit diesem breit aufgestellten Ansatz will die Republik Österreich die Herausforderungen der Digitalisierung auf allen gesellschaftlichen Ebenen zukunftsorientiert bewältigen und dabei auch für Integration und Inklusion sowie Sicherheit, Schutz und Vertrauen bei der Nutzung digitaler Technologien sorgen.

KMU DIGITAL – Man braucht das Rad nicht neu erfinden!

Seit März 2017 liegt das österreichische Förderprogramm "KMU DIGITAL" vor. Es lässt sich kaum verhehlen, dass Österreich hier Anleihen beim Nachbarn Deutschland genommen hat und die vier Umsetzungsmaßnahmen der zehn Millionen Euro-Initiative für die kommenden zwei Jahre am erfolgreichen Konzept der Bundesrepublik ausgerichtet hat. 

Die Initiatoren aus dem BMWFW und der Wirtschaftskammer setzen beim Aufbau digitaler Kompetenz auf verstärkte Bewusstseinsbildung, auf umfassende Informationsvermittlung und auf Wissenstransfer und Qualifizierung durch Digital Innovation Hubs.

Als Erklärung in eigener Sache möchte ich hier anmerken, dass wir uns im Rahmen des IT-Clusters Oberösterreich schon vor einigen Monaten mit der Frage beschäftigt haben, einen Hub zu errichten, in dem die gebündelte Kompetenz der regionalen Wissenschaft und das Know-how der Industrie im Schwerpunkt Informations- und Netzsicherheit zusammengeführt werden. Wenn hier schon strategische Vorleistungen erbracht beziehungsweise konzeptionelle Ansätze entwickelt worden sind, wäre das jetzt eine gute Gelegenheit, diese Positionierung des Bundeslandes nach Vorliegen der entsprechenden FFG-Ausschreibung einzureichen und die Landeshauptstadt Linz damit als Frontrunner der Digitalisierung in Österreich in Stellung zu bringen. Ganz wichtig wird dabei aber sein, dass wir unser gewohntes „Schrebergarten-Denken“ überwinden und wie in Deutschland über den Tellerrand blicken, um auch internationale Expertise in einem solchen „Digital Security Hub“ ansiedeln und ausländische Investoren anlocken zu können.

Österreichs eigener Weg

Für die dreiteilige Blog-Reihe "Wie Europa die Digitalisierung stemmt" habe ich bewusst die deutsche, französische und europäische Perspektive auf die Digitalisierung gewählt. Freiheit und soziale Solidarität als Grundpfeiler einer Digitalwirtschaft wie in Frankreich. Flächendeckende Etablierung von Digitalkompetenz entlang traditioneller industrieller und wissenschaftlicher Stärken über regionale Hubs und starke Internationalisierung des Modells im Weltmaßstab wie in Deutschland. Beste Infrastrukturen und einheitliche Standards auf europäischer Ebene - wenn Österreich seine Strategie an den Stärken der unterschiedlichen Stoßrichtungen orientiert und in einem Best-of-Ansatz verdichtet, dabei trotzdem seine unverwechselbare eigene Linie findet, die den Unternehmenskulturen und dem Gesellschaftsbild des Landes Rechnung tragen, brauchen wir uns um die hiesige Digitalzukunft keine Sorgen zu machen.