„Wie leistungsfähig ist der IT-Standort Österreich wirklich?" – Nachlese Fabasoft TechSalon vom 18.06.2015

Der Fabasoft TechSalon am 18. Juni in Wien nahm das alarmierende Abschneiden Österreichs im aktuellen DESI-Index („Digital Economy and Society Index“) zum Anlass, um den Wirtschafts- und IT-Standort Österreich unter die Lupe zu nehmen. Der Konsens der Experten aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung: „Nur wenn wir die Digitalisierung vorantreiben, können wir die Leistungs­fähigkeit Öster­reichs als IT-Standort aus­bauen“.

Gemeinsam mit dem Report Verlag lud Fabasoft zum Podiumsgespräch „Wie leistungsfähig ist der IT-Standort Öster­reich wirklich?“. Martin Szelgrad, Chefredakteur beim Report Verlag, führte durch die Veranstaltung und leitete die interessante, spannende und kurzweilige Gesprächsrunde.

Prof. Dipl.-Ing. Helmut Fallmann

 

„Der europäische digi­tale Binnen­markt kann seine Strahlkraft nur entfalten, wenn Handelsbarrieren auch im digitalen Wirt­schaftsraum be­seitigt werden und der Markt durch euro­päische Ethik hin­sichtlich Daten­schutz und Daten­sicher­heit geprägt wird.“

 

 

 

 

In Sachen Standortfrage Österreich hob Helmut Fallmann, Mitglied des Vorstandes der Fabasoft AG, die europäische Ebene hervor. Die Verwirklichung des gemeinsamen digitalen Binnenmarktes in der EU ist ein wichtiger Schritt um das große wirtschaftliche Potenzial eines Marktes mit mehr als 507 Millionen Konsumenten abzurufen. „Dieser kann seine Strahlkraft aber nur entfalten, wenn Handelsbarrieren auch im digitalen Wirtschaftsraum beseitigt werden und der Markt durch europäische Ethik hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit geprägt wird. Als logische Folge könne der Wirtschaftsstandort Österreich von dieser Entwicklung nur profitieren. Denn nur wenn wir die Digitalisierung vorantreiben, können wir die Leistungsfähigkeit Öster­reichs als IT-Standort ausbauen”, erläuterte Fallmann.

Roland Ledinger und Willy Kempel am Podium beim Fabasoft TechSalon

 

 

Ledinger: „Langfristiges Ziel ist eine euro­päische digi­tale Iden­tität für jeden euro­päischen Bürger.“

Kempel: „Europas Wirt­schaft hat hin­sicht­lich der Digi­tali­sierung einen klaren Aufhol­bedarf.“

 

 

 

Willy Kempel, Leiter der Abteilung für Koordination, Binnenmarkt und Wirtschaftsbeziehungen zu den EU-Mitgliedstaaten im Außenministerium, sieht klaren Aufholbedarf in der Digitalisierung von Europas Wirtschaft. Damit ein einheitlicher fairer Markt etabliert werden kann, bedarf es gleicher allgemeiner Geschäftsbedingungen im Handel,  eines gemeinsamen Ur­heber­rechts, einer einheitlichen Regulierung von Tele­kom­munikations­frequenz­bereichen sowie Maßnahmen gegen Geo-Blocking. Kempel zeigte auf, dass das Wirt­schafts­wachstum im digitalen Bereich in den USA mehr als doppelt so groß ist als in der europäischen Union, und somit ein frappanter Unterschied bei den beiden Wirtschaftsregionen vorliegt.

Als Basis für eine allgemeine Stärkung von Wirtschaftsprozessen in Österreich, nannte Roland Ledinger, Leiter IKT-Strategie des Bundes, eine schlankere Verwaltung und E-Government-Services für die Wirtschaft. „Grundlage für die sichere Nutzung von digitalen Prozessen ist die Identifikation über die elektronische Signatur. In Österreich gibt es bereits weit mehr als eine halbe Million Nutzer der Handysignatur“, sprach er von einem erfolgreichen Trend. Unternehmen im Banken-, Immobilien- und Transportsektor beginnen die Handysignatur einzusetzen. Diese Synergien mit der Wirtschaft sind wichtig, treiben sie doch die Digitalisierung voran. Langfristiges Ziel wäre eine europäische digitale Identität für jeden europäischen Bürger, meinte Ledinger. Auch Helmut Fallmann ist davon überzeugt, dass es einer digitalen europäischen Identität bedarf, mit der Europäer alle Geschäftsprozesse schnell und einfach erledigen können.
 

Sascha Zabransky und Hannes Leo

 

 

Zabransky: „Grundlage für die sichere Nutzung von digitalen Prozessen ist die Identifikation über die elektronische Sig­natur.“

Leo: „Österreich ist noch immer ‚Innovation Fol­low­er‘. Wir brauchen deshalb u. a. fruchtbare Öko­systeme für Start­ups.“

 

 

Hannes Leo, Geschäftsführer der Innovationsschmiede cbased, sieht ein strukturelles Problem darin, dass Österreich noch immer „Innovation Follower“ ist, und bei IT und Innovation nicht – wie seit Jahren angekündigt –eine europäische Führungsrolle einnimmt. Leo appellierte: „Wir brauchen fruchtbare Ökosysteme für Startups, müssen in der Wissenschaft deutlich effizienter agieren und unser Bildungssystem auf diese Herausforderungen ausrichten“. Der österreichische Staat müsse dies aktiv unterstützen und auch „Geld in die Hand nehmen, um konkrete Ziele zu verfolgen“, forderte Leo.

Sascha Zabransky, Group Director Service Network & IT Telekom Austria Group, wurde von Podium und Publikum in eine lebhafte Diskussion zum Thema Ausbau von Infrastruktur verwickelt. „Wir sehen klar, dass Breitband lebenswichtig für den Wirtschaftsstandort Österreich ist“, statiert Zabransky. Doch da in Österreich knapp 40 % aller Haushalts- und Geschäftsadressen in weniger dicht besiedelten Regionen, die auch eine gewisse geografische Herausforderung darstellen, zu finden sind, ist ein flächendeckender Ausbau des Fest- und Glasfasernetzes nur über Förderungen möglich. Die Breitbandmilliarde des Bundes, die zurzeit in mehreren Schritten ausgeschrieben wird, sei daher ungemein wichtig für die geplante Versorgung von über 1,6 Millionen Haushalten mit bis zu 30 MBit.

 

Im Anschluss an das Podiumsgespräch nutzten Gäste und Diskutanten die Veranstaltung für reges Netzwerken. 

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