Fabasoft TechSalon "Finger weg von unseren Daten! – die letzte Schlacht um unsere Freiheit"

Unsere Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts. Daher Finger weg von unseren Daten!

Am 23. September fand im Fabasoft TechSalon in Wien die Päsentation des Buchs „Finger weg von unseren Daten! Wie wir entmündigt und ausgenommen werden“ mit Jan Philipp Albrecht, Autor und Abgeordneter der Grünen im Europäischen Parlament, statt.

Der deutsche Europaabgeordnete der Grünen, Jan Philipp Albrecht, hat seine Erfahrungen als Verhandlungsführer des Europäischen Parlaments für die neue Datenschutz-Grundverordnung nun auch in Buchform vorgelegt. „Je mehr ich mich in die Thematik des technischen Datenschutzes einarbeitete, desto mehr wurde mir klar, dass ich die Menschen in Europa darüber aufklären muss, wie sehr sie in unserer heute total vernetzten ‚digitalen‘ Welt ohne entsprechende Schutzmaßnahmen einem Kontrollverlust über das eigene Leben ausgesetzt sind“, rüttelte Albrecht gleich zu Beginn des Fabasoft Techslons die zahlreichen Besucher aus der IT-Wirtschaft, der Politik, der Wissenschaft und den Behörden wach. 

Die Menschen müssen sich laut Albrecht darüber im Klaren sein, dass ihre persönlichen Daten im Internet millionenfach ausgelesen, gespeichert, analysiert und zu Profilen aggregiert werden. Kriminelle betreiben heute im großen Stil Identitätsdiebstahl und Unternehmen sowie Behörden haben aus dem Zugriff auf persönliche Daten längst ein hoch lukratives Geschäftsmodell gemacht. 

Beim Datenschutz gehe es im Grunde aber um mehr als nur um das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, so Albrecht, der in der letzten Periode der jüngste deutsche Abgeordnete des Europäischen Parlaments war. Mit fehlendem Datenschutz stünden auch Grundrechte wie Diskriminierungsfreiheit, Gleichheit oder Meinungs- und Demonstrationsfreiheit zur Disposition.

„Wir brauchen daher jetzt eine politische Strategie, mit der die Entscheidung über den künftigen Datenschutz durch die Bevölkerung getroffen werden kann“, ist Albrecht überzeugt. Nur mit einem Regelwerk für einen einheitlichen europäischen Datenschutz können wir globalen Konzernen  und dubiosen Datensammlern, die auf Basis komplexer Algorithmen beinahe schon alles über uns wissen und kommerziell verwerten, entgegenwirken. Für Albrecht ist der Kampf um einen einheitlichen und weitreichenden Datenschutz in ganz Europa quasi ‚die letzte Schlacht um unsere Freiheit‘.

Jeder einzelne und die Gesellschaft als Ganzes müssen daher mit Instrumenten in Form von Datenschutzrechten ausgestattet werden, um sich gegen die Willkür der Datensammler zur Wehr und dem Kontrollverlust der Menschen über ihre Daten ein Ende setzen zu können.  

„Wir alle brauchen dazu auch mehr Aufmerksamkeit und Sensibilität im Umgang mit Online-Services und Apps. Wir müssen daher klare Regeln in Kraft setzen, welche die Verbraucher derart schützen, dass bestimmte Daten nur mit Zustimmung des Nutzers oder eben auf Basis gesetzlicher Vorgaben abgefragt und gespeichert werden dürfen. Für die User von Diensten muss unmissverständlich dargestellt werden, welche Daten vom Anbieter wofür benötigt und genutzt werden. Seitenlange in juristischer Fachsprache gehaltene Online-Geschäftsbedingungen sind in diesem Zusammenhang wenig hilfreich. 

Weitreichende Datenschutz-Verordnung soll 2015 endlich umgesetzt sein 

„Wir alle müssen jetzt als Öffentlichkeit unsere Politiker in die Pflicht nehmen, damit der Europäische Datenschutz  auch die letzte Hürde, der Zustimmung des EU-Rates, nehmen kann. Jan Philipp Albrecht gab sich zum Abschluss seiner Buchpräsentation jedoch optimistisch, dass dieser große Wurf eines zeitgemäßen Datenschutzes in ganz Europa bis 2015 gelingen wird. Insbesondere in Deutschland und in Großbritannien sind aber noch Vorbehalte der Regierungen gegen die neue Datenschutzregulierung auszuräumen.  

Albrecht vergleicht diese Jahrhundertchance in ihrer Bedeutung sogar mit der Einführung der Gemeinschaftswährung Euro oder der Etablierung des Schengen-Raumes. Auch in Amerika hat Albrecht ein starkes Bedürfnis der Bevölkerung nach Datenschutz geortet. Bisher konnten die großen Internetfirmen des Silicon Valley im nicht regulierten Umfeld agieren und der militärisch-industrielle Komplex der USA seine Ansprüche auf einen globalen Datenzugriff durch Sondergesetze wie den Patriot Act oder den FISA-Act über die eigenen IT-Giganten durchsetzen. 

Strenge Strafen sollen Datenmissbrauch verhindern 

Die neue europäische Datenschutz-Grundverordnung wird zukünftig definitiv verhindern, dass weiterhin Bürgerrechte auf Privatheit und Freiheit ausgehöhlt und sensible europäische Unternehmensdaten ohne verbindlichen Rechtsrahmen herausgegeben werden. Europäischer Datenschutz kann nicht durch ausländische Rechtsnormen legitimiert werden. Albrecht fordert für den neuen Datenschutz daher auch entsprechende Durchsetzungsrechte mit pönalem Einschlag. „Wenn wir Strafen bis zu fünf Prozent des Jahresumsatzes verhängen können, dann haben wir eine wirksame Abschreckung, mit der auch bisherige Wettbewerbsverzerrungen überwunden werden können.“ 

„Europa braucht jetzt die Vision und den Mut, einen vorbildlichen Datenschutz in europäisches Recht umzusetzen. Die europäischen Regierungschefs könnten damit ein wirkliches Gegengewicht zu den USA und dem Pazifischen Raum aufbauen und Europa auch mit vielen neuen Arbeitsplätzen zurück auf die IT-Weltbühne hieven“, schließt Gastgeber und Fabasoft-Vorstand Helmut Fallmann. 

Das neue Buch von Jan Philipp Albrecht „Finger weg von unseren Daten! Wie wir entmündigt und ausgenommen werden“ ist bei Knaur Taschenbuch, ISBN 978-3-426-78687-1, erschienen. 

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Video Caption

Impressionen von der exklusiven Buchpräsentation von "Finger weg von unseren Daten!" mit Jan Philipp Albrecht im Fabasoft TechSalon am Hauptbahnhof in Wien am 23. September 2014.

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